Warum fer
Bei uns gab es kein Cola. Es gab Zauberwasser.
Bei uns zu Hause standen keine bunten Flaschen im Kühlschrank. Es gab Wasser. Und es gab Zauberwasser.So nannte meine Mutter den Wasserkefir, den sie ansetzte. Zauberwasser, weil es anders schmeckte als alles andere. Lebendig. Ein bisschen wild.Als Kind bekam ich es besonders, wenn ich krank war. Kein Versprechen, kein Wundermittel. Einfach das Getränk, das es bei uns eben gab. Nach meiner Herzmuskelentzündung, in der Zeit, in der ich langsam wieder auf die Beine kam, war es mein tägliches Getränk.Zauberwasser ist kein Marketingwort. Es ist der Name, den wir ihm in der Familie gegeben haben.
Eine Insel, drei Generationen.
Meine Familie kommt von Juist. Eine Insel in der Nordsee. Schmal, windig, ohne Autos. Bis zu meinen Urgroßeltern reicht das zurück.
Drei Generationen, geprägt von Naturheilkunde und der Nähe zur Natur. Meine Oma arbeitete mit Kräutern und fermentierte schon, lange bevor das ein Wort war, das man kennt. Unter anderem Kombucha.
Meine Mutter brachte den Wasserkefir in unseren Alltag. Und irgendwann stand ich selbst am Küchentopf.
Was ich mitgenommen habe, ist keine Rezeptsammlung. Es ist eine Haltung. Etwas selbst machen. Ehrlich, mit dem, was da ist.
Gut gemeint reicht nicht.
So schön die Erinnerung ist, ehrlich muss ich auch sein. Zu Hause war Geschmack nie das Ziel. Es war gut gemeint. Aber nicht immer gut.Also fing ich an, in meiner WG zu experimentieren. Eine Küche voller Gläser, Zettel, Fehlversuche. Über drei Jahre habe ich die Rezeptur weiterentwickelt, bis sie wirklich schmeckte.Freundinnen und Freunde fragten irgendwann, ob sie es kaufen könnten. Ich nahm das als Kompliment. Als Signal habe ich es damals noch nicht verstanden.
Dreimal bis ich es geglaubt habe.
Es gab nicht den einen Moment. Es gab drei.
Der erste kam im Februar, im Urlaub auf Mallorca, mitten in meiner Bachelorarbeit. Ich träumte, sehr real, wie ich mit dieser Idee erfolgreich werde. Ich wachte auf, und der Gedanke blieb. Dann schrieb ich erst mal meine Arbeit fertig.
Der zweite kam im Sommer darauf. Nach einer Umzugshilfe landete ich beim Grillen bei den Eltern einer Freundin. Am Tisch saß ein Mann, der in viele Startups investiert hatte. Ich wusste das nicht. Er fragte immer wieder: Wofür brennst du? Irgendwann erzählte ich von meiner kleinen Idee. Er sagte, ich soll das machen. Heute ist er mein Mentor. Ich bekam Zuspruch, bevor ich selbst überzeugt dafür einstand.
Der dritte kam ein Jahr später. Erst Reisen mit meiner Schwester, dann ein Praktikum, das mir zeigte, was nicht meins ist. Alles andere zeigte in eine Richtung. Innerhalb von drei Monaten zog ich nach Lemgo, baute mein Netzwerk auf und legte los.
Einer hat die Idee gepflanzt. Einer hat sie erlaubt. Einer hat keine Ausrede mehr übrig gelassen.
Allein heißt nicht einsam.
Ich habe fer als Alleingründerin gestartet. Das war nicht der Plan.
Mein erster Mitgründer passte menschlich perfekt. Dann kam es anders, und er stieg aus. Kurz vor dem Sommer, genau als am meisten zu tun war.
Seitdem trage ich das hier allein. Und ja, ich habe mich gefragt, ob das die richtige Entscheidung war. Ob das überhaupt zu schaffen ist, gegen Wettbewerber, die zu dritt sind und dadurch dreimal so schnell wirken.
Die Antwort ist einfach. Ich halte mit. Nicht, weil ich alles allein kann, sondern weil ich ein Umfeld habe, das trägt. Familie, Freundeskreis, Menschen, die von der ersten Dose an mitgetrunken haben.
Ich erzähle diese Geschichte im Ich. Getragen wird sie von einem Wir.
Was jetzt in der Dose ist.
Aus dem Küchentopf ist eine Dose geworden. 250 ml, lebendig fermentiert, aus einem Familienrezept.Zwei Sorten. fer originale mit Feigenblüte, Zitrone und Ingwer. fer sunset mit Cranberry, Apfel und Sanddorn. 4,6 g Zucker pro 100 ml, unter 0,015 Prozent Alkohol.Der Name fer knüpft an fair an. Weil mir wichtig ist, wie etwas gemacht wird. Nicht nur, dass es gemacht wird.fer soll man trinken, weil es schmeckt. Nicht, weil es gut für einen sein soll. Alles andere wäre nicht ehrlich.Ich möchte mehr Menschen damit verzaubern.